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05.09.2016 Medien
Von: Ralf Strehlau
Gelesen: 301

Digitale Geschäftsmodelle des M2M- / IoT-Marktes durch die eSIM


Artikel von Carsten Pletz

M2M und IoT sind Schlagworte die in der Vergangenheit mehr und mehr Aufmerksamkeit erlangten. Was aber bedeuten diese Abkürzungen? Welcher Zusammenhang besteht zwischen ihnen und welchen Einfluss wird die eSIM haben? Wer ist der Profiteur der eSIM und welche Produkte bzw. Anwendungen erwarten uns?

Beginnen wir mit den Begriffen: M2M bedeutet Machine to Machine und steht für den Informationsaustausch zwischen Endgeräten (Maschinen, Automaten, Fahrzeugen, etc.) M2M-Lösungen zielen darauf ab, Arbeitsabläufe zu rationalisieren und die Produktivität zu steigern, bei IoT (Internet of Things) steht immer die Unterstützung des individuellen Menschen im Fokus. Das IoT bezeichnet grundsätzlich die Verknüpfung eindeutig identifizierbarer physischer Objekte (Things) mit dem Internet. Diese Technologie soll das Leben der Menschen vereinfachen. Das IoT hat die Erfassung von Daten im Nahbereich zum Inhalt, dagegen befasst sich M2M mit der Übertragung von Daten über längere Distanzen. Ergänzend ist das IoE (Internet of Everything) zu erwähnen. Es kann als Gesamtmenge von M2M und IoT verstanden werden. Welche Begrifflichkeit sich in diesem dynamischen Markt durchsetzen wird oder ob neue hinzukommen werden, kann nur die Zukunft zeigen.

Wie kommt nun die eSIM mit in dieses Spiel? Was ist eine eSIM genau? Im Gegensatz zur altbekannten SIM-Karte ist die eSIM fest in der Hardware verbaut (Embedded SIM) und erlangt ihre technische Identität per Datenübertragung aus dem Funknetz. Eine eSIM lässt sich wieder neu programmieren, mehrere Profile sind möglich. Da die eSIM im Vergleich zur SIM-Karte deutlich kleiner ist, wird dies darüber hinaus Einfluss auf den zukünftigen Formfaktor von Produkten haben. Ein weiterer Vorteil: Es werden mehr IP69-zertifizierte Produkte (staub- und wasserdicht) erwartet, dadurch entfällt der bisherige SIM-Slot. Die eSIM wird die Umsetzung von Anwendungen deutlich unterstützen. Konnektivität (Vernetzung) ist das Kernthema, in dessen Mittelpunkt die eSIM steht. Ihre geringe Größe und die Flexibilität sind perfekte Voraussetzungen für zahlreiche neue Anwendungen und die Verbesserung bestehender Lösungen.

Experten streiten sich über genaue Zahlen und Potentiale der eSIM, deren Lösungen und Produkte, so dass Prognosen sehr schwierig sind. Abschätzbar ist aber, welches die größten Bereiche sein werden: E-Call (ab 2018 in jedem Auto Pflicht), Smart Home oder eHealth sollen laut Experten den Einsatz von mehr als 40 Mrd. eSIMs verlangen. Anwendung findet die eSIM auch in neuen Produkten: In Rollstühlen, Kaffeemaschinen, Straßenbeleuchtungen, Waschmaschinen und natürlich in den populären Wearables (Fitness Bänder, Smartwatches oder Virtual Reality Produkte). Die Waschmaschine meldet einen Defekt, die Straßenlampe einen Ausfall, das Auto erhält regelmäßige Softwareupdates (siehe Tesla). Auch Werbetafeln werden durch eine eSIM gesteuert und benötigen keine Verkabelung mehr. Die Lösungen und Anwendungen sind vielfältig, das Gesamtpotential für neue bzw. angepasste Geschäfts- und Ertragsmodelle ist heute kaum abzuschätzen.

Zwei Player werden den größten Einfluss haben: Der Mobilfunkbetreiber, der die Verbindung bereitstellt und die Produkt- bzw. Lösungsanbieter.

Auf der einen Seite stehen die Produkt- und Lösungsanbieter, die ihre Produkte um das Feature Konnektivität ergänzen. Hier kann zwischen Consumer- und Industrieprodukten unterschieden werden, wobei Consumerprodukte dem Endkunden einen Mehrwert liefern, Industrieprodukte dagegen Optimierungen u.a. bei Arbeitsabläufen erwirken. Grundsätzlich besteht eine Lösung immer aus den beiden Teilen: Hardware und der Verbindung, welche es zu kombinieren gilt. Hersteller wissen Features zu monetarisieren, da sie grundsätzlich diversifizieren und einem Innovations- und Konkurrenzdruck unterliegen. Die eSIM erlaubt in der Zukunft per se globale Geschäftsmodelle, was ein Vorteil für international agierende Hersteller ist. Wie das Feature „Verbindung“ in der Zukunft kommerzialisiert werden soll, steht noch nicht fest. So wird beispielsweise heute bei einem Samsung Gear 3 (Smart Watch) ein Vodafone-Zusatztarif verlangt. Ob Hersteller in der Zukunft Netzbetreiber beschränken, lässt sich noch nicht absehen. Für einen MNO (Mobile Network Operator, Mobilfunkbetreiber) oder MVNO (Virtueller Mobilfunkbetreiber ohne Netz) bedeutet dies ein Risiko, da ein Produkt- bzw. Lösungsanbieter dann in der Lage wäre, eine Gateway-Funktion einzunehmen. Den Endkunden beschränkt das dann bei seiner freien Netzauswahl. Die Verhandlungsmacht der Produkthersteller nimmt zu, ohne dass sie das wichtigste Feature, nämlich die Verbindung, bereitstellen. Diese Konstellation unterstützt immer wiederkehrende Gerüchte, dass Hardwarehersteller planen, ein MVNO (Mobile Virtual Network Operator, Anbieter ohne eigenes Netz) zu werden.

Auf der anderen Seite steht der Mobilfunkbetreiber (MNO), welcher die Verbindung bereitstellt. Für den MNO besteht die Gefahr, ausschließlich als Dienstleister verstanden zu werden und damit austauschbar zu sein. Es ist wichtig für den MNO, neue Wege zu gehen und branchenspezifisch bzw. lösungsorientiert zu arbeiten. Proaktives, kooperatives und konsequentes Business Development wird es dem MNO erlauben, eine starke und einflussreiche Position im M2M- / IoT-Markt einzunehmen. Experten erwarten in den nächsten Jahren einen parallelen Einsatz von SIM und eSIM, was die Position der MNOs bis auf Weiteres stützen wird.

Fazit: Es besteht Handlungsbedarf für alle Marktteilnehmer. Wie sich die Marktverhältnisse entwickeln, hängt stark von der Umsetzungsgeschwindigkeit der Marktteilnehmer ab. Die eSIM wird wesentlichen Einfluss auf Geschäftsmodelle, Produkte und Prozesse nehmen; Konnektivität ist das Thema der Zukunft. Der Endverbraucher darf sich auf spannende Produkte freuen und der Industrie erlaubt die eSIM Kosteneinsparungen. Es bleibt allerdings abzuwarten was die Konnektivität kostet.

 

Für Anmerkungen und Rückfragen zum Thema Digitale Geschäftsmodelle stehen wir Ihnen gerne jederzeit unter info@anxo-consulting.com oder Tel.: 06192 402 69 0 zur Verfügung.

 

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Zum Autor: Carsten Pletz arbeitet als selbstständiger Berater und Interim Manger. Seine Schwerpunktgebiete sind die Entwicklung von Geschäftsmodellen, Absatzmarktstrategien und das Business Development. Carsten Pletz hat langjährige Erfahrung im Mobilfunkumfeld und der FMCG Industrie.

 

Bildquelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an: www.starttoendnetworks.com/wp-content/uploads/2016/07/internet-of-everything.jpg


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